21 Jan 2011

Gepostet von in Mondlandung RPG

Mond-RPG 4 Einleitung – Joey und die Wildnis

Ein roter Mond am Horizont

Der Bart kratzte jeden Tag stärker, doch der Wind rauschte so schnell an Joeys Gesicht vorbei, dass er ihn all diese Unannehmlichkeiten vergessen lies. Zumindest redete er sich das ein. Denn er konnte die frische Luft nicht genießen, sie war durch eine raue, modrige Gummimaske von ihm getrennt. Es waren nur noch zwei Tage, bis er Paris erreichen sollte. Zwei Tage, wenn ihm nichts dazwischen käme. Auf seinem schweren Motorrad schoss er einige der wenigen noch gut erhaltenen Straßen Frankreichs entlang. Langsam wurde der Sprit knapp und er hoffte inständig, dass er irgendwo ein paar Reserven auftreiben konnte.

Vor wenigen Stunden steuerte er eine Tankstelle an, stieg von seinem feuerroten Motorrad und beobachtete sie aus einigen Kilometern. Anfangs schien alles sehr ruhig zu sein, zu ruhig. Und nach wenigen Minuten – Joey hatte eine früher wohl unheimlich teure Weltzeituhr bestätigten sich seine Vermutungen, der Rastplatz war überfallen worden. Allem Anschein nach konnten die Besitzer, die sich nicht von ihrem Land, welches sie seit Urzeiten besaßen, trennen wollten, nicht länger gegen die chaotischen Umstände wehren. “Scheiße”, murmelte Joey. Als er vor einem halben Jahr das letzte mal hier vorbei fuhr, sah das alles noch anders aus.

Und nun berührte die Tanknadel fast den dünnen, roten Bereich, welcher neben dem Tacho  eingezeichnet war. “Scheiße”, sagte er erneut. Es sollten die einzigen Worte des heutigen Tages werden. Es war durchaus angebracht, zu fluchen. Der rote Mond am Horizont zeigte, dass die Sonne bald untergehen würde. Er musste langsam rasten und einen halbwegs sicheren Ort für die Nacht finden. Seid einigen Tagen war er nun unterwegs, gestartet in Süditalien, voller Zuversicht auf einen gut bezahlten und risikoarmen Job. Dass er heute vemutlich unter freiem Himmel übernachten würde, war kein Problem für Joey. Er war schlimmeres gewohnt. Großstädte wie Paris, sie waren die wirklich gefährlichen Orte…

Am nächsten Morgen stieg er auf sein Motorrad, düste los. Mit vollem Tank, denn wie es der Zufall wollte, schlief er doch nicht unter freiem Himmel. Er fand eine alte, eingestürzte Hütte, etwas abseits der Straße. Der Wagen in der Garage war völlig zerstört, eingeschlagene Windschutzscheibe, der Motorblock wurde vor einigen Zeiten von irgendjemandem ausgebaut, ein Reifen fehlte. Doch der Tank war noch halbvoll.

Die schweren Waffen, die er stehts bei sich trug, waren für die Ankunft in Paris vorbereitet. Auch wenn sein Leben unglaublich kompliziert und entbehrungsreich war, so legte er doch größten Wert darauf, dass seine Werkzeuge stehts gereinigt waren. Der alte Revolver, den ihm seit Vater zum 13 Geburtstag geschenkt hatte. Die Kalaschnikow, die er sich bei einem Waffenschmuggel abgezeweigt hatte. Und selbstverständlich seine wichtigste Waffe, ein Buschmesser. Die Klinge war extrem scharf und rettete ihm schon oft das Leben. Denn Munition pflegt nach einer Weile auszugehen. Er war bestens ausgerüstet und voller Zuversicht. Und die Erwartung einer Mondlandung machte ihn schlicht und ergreifend verrückt. Joey wusste bereits bei seiner Abreise, wie weit er gehen würde. Welches Risiko er eingehen würde, um mit an Bord der Raumfähre zu sein…

Einen Kommentar schreiben


Anzeige