6 Feb 2011

Gepostet von in Apollo-Programm, NASA

Apollo 1 – Ein tragischer Unfall auf dem Weg zum Mond

Es war der 27. Januar im Jahre 1967, als in der Raumkapsel der Apollo 1 während eines Routinetests an der Startrampe blitzartig ein loderndes Feuer ausbrach. Die drei Astronauten, welche gerade am Plug Out Test beteiligt waren, starben bei diesem tragischen Unglück. Kurze Zeit später wurde der Vorfall durch ein siebenköpfiges Team der NASA unter Leitung von Dr. Floyd L. Thompson, seinerzeit Vorstand des Langley Forschungszentrum, untersucht. Der Bericht wurde im April des selben Jahres abgeschlossen und auf dessen Grundlage wurden zahlreiche Teile der Kommandokapsel neu gestaltet und intensiver als je zuvor getestet. Die Brandursache jedoch konnte nie mit Sicherheit geklärt werden.

Auf diesem Bild sieht man die Apollo 1 von nahem in zwei unterschiedlichen Aufbereitungszuständen in Langley, wo die Teile der Raumkapsel bis heute gelagert werden. Bildquelle: NASA
Durch den hohen Druck in der Kabine (der übrigens durch den Ausbruch des Feuers entstand und nicht, wie fälschlicherweise oft angenommen wird, schon vorher herrschte), konnte die Crew die Raumkapsel nicht selbst öffnen. Die hohe Sauerstoffkonzentration und leicht brennbare Teile fördernden die Rasche Verbreitung des Feuers und bis schließlich die Rettungskräfte am Testgelände eintrafen, war die Besatzung der Apollo 1 bereits am Rauch erstickt. Aufgrund dieses Unglücks waren die nächsten Apollo Missionen unbemannt. Zuerst sollten einige Veränderungen durchgeführt werden und auch allgemeine Sicherheitsmaßnahmen mussten erhöht werden. Dieses Sicherheitskonzept für folgende Apollo Missionen sah unter anderem den Umbau der Landekapsel selbst, eine Verbesserung der Raumanzüge sowie diverse Sicherheits- und Rettungseinrichtungen am Trainingsgelände vor. Die Umsetzung dauerte ungefähr ein Jahr und verzögerte dadurch die folgenden Apolloflüge.

Die Besatzung der Apollo 1

Die Besatzung der Apollo 1: (von links nach rechts) Edward White, Gus Grissom, Roger Chaffee

Die Erstbesetzung für den Flug der Apollo 1, der bis nach dem Unfall stets als AS-204 bezeichnet wurde, bestand aus Gus Grissom, Edward White und Roger Chaffee. Die Crew wurde am 21. März 1966 bekanntgegeben. Damit waren hochqualifizierte Astronauten im Team, Gus Grissom zum Beispiel, der schon im Mercury-Programm für die NASA arbeitete sowie Edward White, der als erster Mensch einen Außenbordeinsatz unternommen hatte.
In der Ersatzmannschaft wurde James McDivitt als Kommandant ausgewählt, welcher auch schon die Führungsposition bei Gemini 4 hatte. Mit ihm waren David Scott, welcher den ersten Abbruch eines Raumfluges mitgemacht hatte sowie Russel Schweickart, welcher als einer von wenigen Zivilisten die Ehre hatte, als Apollo-Astronaut für die NASA fliegen zu dürfen. Doch als Ende des Jahres 1966 das Projekt AS-203 (heute als Apollo 2 bekannt) abgesagt wurde, erklärte man die Mannschaft der AS-203 zur Ersatzmannschaft von Apollo 1. Die neue Ersatzmannschaft bestand nun aus Walter Schirra, welcher schon als Astonaut bei den Raumfahrtprogrammen Mercury, und Gemini aktiv war, Donn Eisele und Walter Cunningham. Die vorherige Ersatzmannschaft wurde in ihrer Formation für einen späteren Flug geplant.

Der Plug Out Test

Am 27. Januar 1967 wurde auf dem Testgelände der NASA eine Simulation durchgeführt, der Plug Out Test. Die Gefährdungsstufe wurde als sehr gering eingeschätzt, da die Saturn IB Rakete nicht mit Treibstoff befüllt war. Seit dem Unfall jedoch wurde dieser Test, der auch bei folgenen Apollomissionen (bis einschließlich Apollo 10) noch durchgeführt wurde, durchaus als kritisch eingestuft. Das Ziel war es festzustellen, ob die Raumsonde auch mit ausschließlich interer Stromversorgung funktionieren würde, wenn sie vollständig vom Hauptschiff getrennt ist. Beim Plug Out Test werden alle Versorgungsleitungen und Zufuhren nacheinander von der Kapsel abgetrennt. Ironischerweise bleibt wie auch in diesem Fall meist eine externe Stromversorgung zur Kapsel erhalten, da die Solarzellen nicht ausgeklappt waren und somit keine eigene Stromversorgung hergestellt werden konnte. Wenn die Raumsonde diesen und wenige weitere Tests bestanden hätte, hätte sie am 21. Februar 1967 zu ihrer Mission starten sollen.

Um 13:00 Ortszeit haben Grissom, White und Chaffee in voller Montur die Kommandokapsel betreten und warteten in ihren Sitzen, bis alle Systeme hochgefahren waren. Sofort gab es Probleme, ein saurer Geruch lag in der Luft, woraufhin der Start der Simulation bis 14:42 Uhr verzögert wurde. Vermutlich stammte er aus einem Leck des Kühlsystems. Wenige Minuten später schließlich wurde die Luke verschlossen und der einströmende reine Sauerstoff verdrängte die normale Luft in der Raumsonde. Der extrem hohe Sauerstoffgehalt erschwerte auch die Atmung der Astronauten. Die Kommunikation zwischen Astonauten, der Operationsbasis und dem Kontrollzentrum war mangelhaft. Einer von Grissoms letzten Sätzen war “How are we going to get to the Moon if we can’t talk between three buildings?” – Wie sollen wir zum Mond fliegen, wenn wir nicht ein mal zwischen drei Gebäuden kommunizieren können?”. Seit einiger Zeit war er zu einem Kritiker der NASA geworden.

Apollo 1 Video

Verschwörungstheorien um Apollo 1

Der eingerichtete Untersuchungsausschuss gab wenig später einen Kurzschluss als Ursache für den Brand an. Doch es halten sich einige Gerüchte, dass es sich um Sabotage gehandelt habe. Es gibt zwei Theorien, die dabei verfolgt werden: Zum einen wollte Russland als Konkurrent eventuell die NASA am vorranschreiten und entwickeln ihrer Technologie hindern. Der Sohn des verstorbenen Gus Grissom äußerte später ebenfalls die Meinung, die Russen hätten das Programm sabotiert, was jedoch nie nachgewiesen werden konnte. Aber auch die Theorie, die NASA hätte Grissom zum Schweigen bringen wollen, machte die Runde. Denn auch aus den Reihen der NASA selbst stand Gus Grissom unter Druck. Oft wies er auf Mängel der Technologie hin und meinte einmal öffentlich, „es handele sich nur um einen Eimer voller Schrauaben“ und hatte angeblich auch einige Morddrohungen erhalten. Wieso er dann jedoch nicht als Apollo-Astronaut ausgestiegen ist, bleibt mir ein Rätsel. Sollte die NASA tatsächlich absichtlich einen Brand ausgelöst haben und damit ihre eigene Forschung und gute Astronauten geopfert haben? Der Untersuchungsausschuss, bestehend aus sieben Hauptverantwortlichen und ingesamt ca. 1500 Helfern, konnte keine dieser Theorien bestätigen.